Schule
Was ist die richtige Schule für mein Kind?
Die eine „perfekte“ Schule gibt es nicht, da die Bedürfnisse und Fähigkeiten autistischer Kinder äußerst individuell sind. Die passende Schulform hängt vielmehr vom jeweiligen Kind, dessen Begabungen und autismusspezifischer Beeinträchtigungen ab. Auch wenn es in Deutschland vereinzelt Schulen gibt, die Autismus als Schwerpunkt gesetzt haben, ist dies derzeit noch eher eine Ausnahme als die Regel (und sagt nicht automatisch, das die Schule für alle autistischen Schüler:innen passend wäre).
Einige Eltern ziehen den Umzug an einen Ort mit entsprechender Schule in Betracht, doch ist dies nicht immer ratsam: Ein Umzug ist neben der Vielzahl an Veränderungen, die das Kind in großem Maße in Stress versetzen, für die gesamte Familie mit einem Verlust von Helfer- und Sozialsystemen verbunden. Darüber hinaus ist der Verlauf der Schulzeit maßgeblich durch die umgebenden Menschen und Rahmenbedingungen im Einzelfall abhängig, sprich von der (Klassen-) Lehrkraft, den Mitschüler:innen, der Klassengröße usw., nicht nur von regionalen Voraussetzungen oder einer spezifischen Schulformen.
Hier kann es ggf. ratsamer sein, das Wissen über Autismus in die regionalen Schulsysteme zu bringen. Dies ist beispielsweise über den/die Autismustherapeut:in möglich oder über Autismus-Beratungsstellen, deren Schwerpunktaufgabe darin besteht, Lehrer:innen über Autismus aufzuklären, über spezifische Nachteilsausgleiche zu informieren und ggf. bei der Umsetzung dieser zu beraten.
Hilfreich bei der Einschätzung zur individuellen Schulsuche kann der Austausch in regionalen Selbsthilfestrukturen sein. Andere Eltern werden die Überlegungen kennen, ebenso die individuellen Rahmenbedingungen vor Ort.
Erfragen Sie die Kontaktdaten der für Sie zuständigen Schul-Beratungsstelle bei Ihrer Schulbehörde. Diese verfügt ggf. auch über Handreichungen im Bereich Autismus (siehe Auflistung der Bundesländer unten).
Folgende Rahmenbedingungen werden als förderlich erachtet und sind ggf. bei der Schulwahl zu berücksichtigen:
- Übersichtlichkeit: Kleine Schule und/oder kleine Schulklassen.
- Autismus-Kompetenz: Wissen der Lehrkräfte/Schulleitung über Autismus oder die Bereitschaft, sich in die Thematik einzuarbeiten.
- Struktur und Vorhersehbarkeit: Der Schulalltag, der Unterrichtsraum und die Aufgaben sind klar strukturiert und transparent.
- Individuelle Förderung: Es gibt ein individuelles Förderkonzept, das regelmäßig angepasst wird, inklusive der Gewährung des Nachteilsausgleichs bzw. die Bereitschaft der Schule, sich damit auseinanderzusetzen.
- Rückzugsraum: Es besteht die Möglichkeit für das Kind, sich bei Überforderung zurückzuziehen.
- Netzwerkarbeit: Die Schule arbeitet eng mit den Eltern, der Schulbegleitung (wenn vorhanden) und den autismusspezifischen Fachkräften (Autismustherapie, Logopädie, KJP, SPZ usw.) zusammen.
- Bereitschaft, mit Schulbegleiter:innen zusammenzuarbeiten.
- Soziales Lernen: Die Schule bietet ein Konzept zur Mobbingprävention (z.B. Sozialtrainings, Schülerpaten, Schulsozialarbeit etc.).
Die Broschüre „Asperger-Syndrom - Strategien und Tipps für den Unterricht - Eine Handreichung für Lehrer:innen (Neuauflage 2023) erhalten Sie kostenpflichtig über info@autismus.de.
Flyer mit Informationen für Lehrer:innen finden Sie im Bereich Service und Materialien.
Empfehlenswerte Arbeitshilfen/Materialien der Bundesländer finden Sie auf folgenden Seiten:
(Es empfielt sich, auch Materialien anderer Bundesländer zu sichten, da viele der Handreichungen, Empfehlungen und Ideen durchaus ortsunabhängig einsetzbar sind.)
Baden Württemberg - Diverse Materialien
Bayern - Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung in München, Mobile Sonderpädadogische Dienste Autismus (MSD-A)
Brandenburg - Diverse Materialien - Sonderpädagogische Förder- und Beratungsstellen
Bremen - Diverse Materialien
Hamburg - Bildungs- und Beratungszentrum Pädagogik (BBZ) Hamburg: Arbeitshilfen Autismus und Schule | BBZ – Bildungs- und Beratungszentrum Pädagogik bei Krankheit/Autismus (hamburg.de) - Nachteilsausgleiche und Vorschläge zur Umsetzung
Hessen - Diverse Materialien
Mecklenburg-Vorpommern - ZDS Diagnostik und Schulpsychologie
Niedersachsen - Handlungsleitfaden „Unterricht mit Schülerinnen und Schülern im Autismus-Spektrum“
Nordrhein-Westfalen - Grundlagen für die Förderung von Schüler:innen und Schülern mit Autismus-Spektrum-Störung an allgemeinen Schulen und Ansprechpartner Schulberatung
Rheinland-Pfalz - Diverse Materialien
Saarland - Kein spezifisches Material: Impulse/Vernetzung über das ATZ Saar.
Sachsen - Diverse Materialien
Sachsen-Anhalt - Nachteilsausgleich in Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein - Landesförderzentrum Autistisches Verhalten
Thüringen - Diverse Materialien
Gleichen Sie die geschilderten Hinweise der obenstehenden Handreichungen (anderer Bundesländer) mit den Rahmenbedingungen ihrer eigenen Landesschulbehörde ab, hier gibt es bundesweit große Unterschiede. So wird in einigen Bundesländern beispielsweise der „Förderschwerpunkt autistisches Verhalten“ gewährt, in anderen Bundesländern werden Kindern mit Autismus Förderschwerpunkten aus den Bereichen „sozial-emotionale“ oder „geistige“ Entwicklung zugesprochen.
So heterogen wie das Autismus-Spektrum ist, so vielfältig ist auch der Unterstützungsbedarf: Einige Kinder benötigen einen Nachteilsausgleich, eine Schulbegleitung oder es empfiehlt sich eine Aufklärung der Schulklasse. Tiefergehende Informationen zu diesen Themen finden Sie in den entsprechenden Unterpunkten.