Hat mein Kind Autismus?
Für Eltern
So sehr Sie sich vermutlich wünschen, dass die Frage schnell oder einfach zu beantworten ist, so sehr werden Sie intuitiv wissen, dass das nicht möglich ist und Zeit kostet.
In diesem Bereich versuchen wir, Ihnen Tipps an die Hand zu geben, an wen Sie sich hinsichtlich einer Diagnostik wenden können und wie die ersten Schritte bis zur Diagnose oder auch ohne eine abschließende Autismusdiagnose aussehen könnten.
Nicht alle Verhaltensweisen, die Sie als Eltern beunruhigen, deuten gleich auf eine Autismus-Störung hin. Welche Symptome bei Autist:innen zu beobachten sind, finden Sie in dem Bereich „Grundlegende Informationen“. Wichtig zu wissen ist, dass viele der autistischen Symptome Verhaltensweisen sind, die der Kompensation bei Stress dienen. Auch nichtautistische Menschen beharren bei großer innerer Anspannung auf die Einhaltung von Regeln und Abläufen. Auch nichtautistische Menschen können Tics oder stereotypes Verhalten zeigen, wenn ihr Nervensystem auf Hochtouren läuft.
Daher ist es wichtig herauszufinden, in welchen Situationen, bei welchen Personen und unter welchen Umgebungsfaktoren Ihr Kind Verhaltensweisen zeigt, die Sie beunruhigen und im Gegenzug dazu, wann Ihr Kind in der Lage ist, sich zu entspannen und nach Ihrer Einschätzung „altersangemessene Verhaltensweisen“ zeigt.
In welchen Momenten hat Ihr Kind Stress? Wo braucht es mehr Struktur oder eine andere Art der Kommunikation?
Konkrete nächste Schritte (Fahrplan)
Schritt | Maßnahme | Ziel |
Beobachtung | Ein Tagebuch führen (Was stresst das Kind? Was liebt das Kind?) | Muster erkennen für den Arztbesuch. |
Abklärung | Termin beim spezialisierten Kinder- und Jugendpsychiater (KJP) oder im SPZ. | Eine fundierte medizinische oder psychologische Einschätzung erhalten. |
Umfeld | Austausch mit der KiTa/Schule suchen. | Den Alltag des Kindes sofort entlasten (Nachteilsausgleich). |
Da die Wartezeiten bei den Diagnostikstellen aktuell sehr lang sind, raten wir Ihnen dazu, sich frühzeitig einen Termin zu holen. Falls sich Verhaltensweisen im Laufe der Wartezeit wieder verbessern, können Sie den Termin absagen, so dass anderes Kind von der Warteliste nachrücken kann.
Informieren Sie sich gern in unserem kostenlosen Elternratgeber über autismusspezifische Symptome im Kleinkindalter. Der Elternratgeber enthält Tipps für den Familienalltag mit einem autistischen Kind und liefert Hinweise auf erste Anlaufstellen und Rechtsansprüche. Somit ist er auch für Beratungsstellen, Therapiezentren, Kindergärten, Schulen, Arztpraxen, SPZ, KJPP u.v.m. geeignet. Das kostenlose PDF sowie die Bestellinformationen der Printfassung finden sie bei unserem kostenfreien Informationsmaterial.
Tipp:
Führen Sie ein "Diagnose-Tagebuch": In diesem können alle Arztbriefe, Bescheide und Notizen über Besonderheiten im Verhalten gesammelt werden. Eltern erhalten nicht immer die Einsicht in Arzt- oder Therapieberichte. Fordern Sie diese aktiv als Nachweis für die Beantragung künftiger Unterstützungsleistungen ein. Das spart Ihnen langfristig Zeit und Nerven.