PDA - Pathological Demand Avoidance
„Pathological Demand Avoidance“ (PDA) – Zwanghaftes Vermeiden von Anforderungen
Einordnung auf Basis des Artikels:
Kamp-Becker, I; Schu, U.; Stroth, S. (2023): Pathological Demand Avoidance – aktueller Forschungsstand und kritische Diskussion. In: Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie 51(4), S. 321-332.
- PDA beschreibt Kinder und Jugendliche, die in klinisch relevanter Weise „zwanghaft“ oder obsessiv Anforderungen vermeiden — also Alltagserwartungen, Forderungen, Aufgaben oder Aufforderungen.
- Häufig zeigen sie ein starkes, angstgetriebenes Bedürfnis nach Kontrolle über ihre Umgebung und Erwartungen anderer. Damit versuchen sie, Sicherheit und Vorhersehbarkeit herzustellen.
- Die Verhaltensweisen reichen von subtiler Vermeidung (z.B. Ausreden, Ablenken) bis hin zu deutlichen Reaktionen wie Rückzug, emotionaler Überforderung, Meltdowns oder aggressivem Widerstand — abhängig vom Ausmaß der gefühlten Überforderung.
- Der Artikel kommt zu dem Schluss, dass PDA weder als eigenständige Diagnose noch als klar abgegrenzter Subtyp von Autismus klassifiziert werden kann — zumindest nicht mit dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand
- Stattdessen sollte PDA als Verhaltensprofil bzw. Verhaltensdimension gesehen werden, welches im Rahmen von verschiedenen Störungen auftreten kann (z.B. Störung des Sozialverhaltens, Angststörungen).
- Wichtig ist: Nicht allein die betroffene Person — also deren individuelle Neurodivergenz oder psychische Verfassung —, sondern auch Kontextfaktoren (z.B. Erziehende, Bezugspersonen, deren Belastung oder Verhalten) spielen eine große Rolle für Entstehung, Ausprägung und Verlauf von PDA-Verhalten.
- Wegen methodischer Heterogenität (unterschiedliche Studien, unterschiedliche Messinstrumente, überwiegend Elternberichte, kaum Sicht der betroffenen Personen selbst) sind sowohl Unterschiedlichkeit als auch Stabilität der Symptome — also wie einheitlich bzw. beständig PDA wirkt — nur eingeschränkt belegbar.
Daraus folgt: Es besteht ein Bedarf an weiterer Forschung — insbesondere zu Fragen wie: Wann und bei wem tritt PDA-Verhalten auf? Wie entwickelt es sich über die Zeit? Wie wirksam sind therapeutische oder pädagogische Ansätze?
Dazu ergänzend:
Theunissen, G. (2025): Autismus und PDA (Pathological Demand Avoidance) – eine unheilige Allianz. In: Zeitschrift für Heilpädagogik 76(1), Seite 13-21.